Trauma Typ II

Was ist Trauma Typ II
Ausgehend von der Definitionen zu Trauma, ist die prinzipielle Verbindung zwischen Trauma Typ I und Typ II, dass bei beiden Typen die Symptome.“Wiederleben, Übererregung und Vermeidung“ auftreten.
Charakteristisch für Trauma Typ II ist, dass die potenziell traumatisierenden Erlebnisse über einen längeren Zeitraum anhalten und sich chronifizieren.
Man findet nicht das eine Trauma, diese eine schreckliche Geschichte, sondern eine Lebenssituation, die an sich traumatisierend ist.
Was noch hinzukommt, gerade für Kinder und Jugendliche, ist, dass die traumatischen Erlebnisse durch Bindungspersonen herbeigeführt werden, also durch Eltern oder anderen Bezugspersonen.
Das ist deswegen so besonders zu betonen, weil ein Teil dessen, was wir unter Resilienz verstehen, also wie gut kommt ein Mensch mit einem traumatischen Erlebnis zurecht, entsteht aus der Betreuung des Betroffenen durch seine Umgebung. Wie reagiert die Umgebung auf das schreckliche Ereignis,
Beim Trauma Typ II ist die Umgebung entweder Teil dessen, was traumatisierend ist oder die Umgebung ist in so hohem Maße selbstbelastet ist, dass eine Betreuung oder Schutz nicht gewährleistet werden kann.
Also beispielsweise Menschen, die im Krieg oder auf einer Flucht leben. Oder Kinder, die Gewalt wiederholt und anhaltend im häuslichen Kontext Gewalt ausgesetzt sind.

Es geht nicht nur um körperliche Gewalt, sondern es geht genauso, um emotionale Gewalt oder um massive Vernachlässigung oder um sexuelle Gewalt.
Es handelt sich fast nie um eine, bzw. dieselbe Form der Gewalt.
In allen Gewaltformen spielt die emotionale Gewalt eine erhebliche Rolle, um traumatisch belastende Situationen für das Kind herzustellen.
Es ist wichtig, dass wir es mit Tätern zu tun haben, die sich ihrer Taten bewusst sind. Das heißt, es finden Täterstrategien statt, wie…
„Du hast das verdient, dass ich so mit dir umgehen musste“
„Das was passiert ist, hast du verdient.“
„Du darfst es nicht weiter sagen, weil sonst passiert… „
„Sonst lieben dich die anderen nicht mehr.“
„Erwachsene haben nun mal mehr Rechte …“
„Wenn ich denen sage, was du für ein schlimmes Kind bist, dann wird dir sowieso keiner mehr glauben.“
Also Erpressungen und Unterdrucksätzen in mannigfaltigen Arten und Weisen

Die Symptome nach außen sind zwar die gleichen wie beim Traumatyp I, aber die Auswirkungen für das Kind sind weitaus dramatischer.
Trauma Typ II ist keine Traumageschichte. Es ist eher wie ein Traumaknäuel mit vielen extrem unterschiedlichen Geschichten. Und häufig ist das, was die Außenwelt als besonders belastend wahrnimmt oder wahrnehmen möchte nicht das, was für den Betroffenen am schwerwiegendsten ist.
Gerade bei familiärer Gewalt ist es wichtig, dass das Kind oder der Jugendliche der dieser Situation ausgesetzt ist, von Personen misshandelt wird, die das tägliche Leben für das Kind bestimmen, weitreichende Entscheidungen fällen und dass die Betroffenen diesen meist schutzlos ausgeliefert sind. Dieses Leben ist für die Betroffenen oft Normalität, da Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
Wenn wir jetzt von Folgen oder von einer Chronifizierung sprechen, hält die Situation ja oft bis ins Jugendalter an, bis die Jugendlichen in der Lage sind, sich Hilfe zu suchen.
Also über viele, viele Jahre sind die Kinder Szenarien ausgesetzt und können sich daraus nicht befreien.
Kinder versuchen manchmal sich an Erwachsene zu wenden, aber viele Erwachsene schenken ihnen keinen Glauben. Sie benötigen zwischen sieben und neun Versuche, damit ein Erwachsener ihnen zuhört und sich ihrem Problem annimmt.