Projekt X
Wir geben nicht auf. Wir werden uns der Entscheidung des Jugendamtes entgegenstellen und egal, wie dieses Amt oder Gerichte entscheiden, alles tun, damit diese junge Erwachsene eine Chance zu einem selbstständigen Leben erhält.
Um was geht es? Am 19.09.2025 hat ein Jugendamt die Hilfe für eine in unserer Erziehungsstelle lebende junge Erwachsene beendet. Beendet zu einem Zeitpunkt, an dem die junge Frau kurz davor ist, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Beendet, obwohl klar ist, dass sie rein formal dadurch ihre Ausbildung nicht beginnen kann und somit in eine perspektivlose Zukunft entlassen wird. Diese Entscheidung begründet das Jugendamt damit, dass sie sich geweigert hätte, sich einer Therapie zu unterziehen.
Um dies zu erläutern, müssen wir in die Vergangenheit einsteigen.
X lebt seit dem 18. Lebensmonat bei uns. Es geht niemanden an, was alles in diesen kurzen 18 Monaten vorgefallen ist, aber es war massiv und hat X komplex traumatisiert. Ab ihrem 2. Lebensjahr ging sie daher einmal in der Woche zu therapeutischen Sitzungen, bis zu ihrem 13. Lebensjahr. Dann setzten die Therapeuten die Therapie aus, da eine Traumakonfrontation im Kindesalter undenkbar ist, und empfahlen, dass es erst dann sinnvoll sei, erneut eine Therapie aufzunehmen, wenn X als junge Erwachsene in der Lage sei, diesen Schritt zu gehen.
Dies empfahlen sie auch, da sie unsere Arbeit schätzten, respektierten und sich sicher waren, dass X gut aufgehoben ist. Zusätzlich sei erwähnt, dass eine Therapeutin der Praxis die Erziehungsstelle seit Jahren supervisorisch und pädagogisch berät.
D.h. allen ist und war bewusst, dass der rosarote Elefant (Trauma) stetig und überall mit im Raum ist. Traumatisierungen gehen nicht weg, sie werden besser, anders, aber sie begleiten einen das ganze Leben lang.
Die Skills, die X erlernte, um mit ihren Traumafolgestörungen klarzukommen, und die traumapädagogischen Interventionen wurden regelmäßig mit der Therapeutin abgestimmt und situationsbedingt angepasst. Dieses sichernde Setting ermöglichte es X, eine stetige, langsame, aber positive Entwicklung zu nehmen. Das kleine Kind, das Kindergarten und Schule nur als lächelnd beobachtender Part durchlief, wurde nach und nach zu einer teilnehmenden Persönlichkeit. Noch immer sind die Folgen ihrer komplexen Traumata vorhanden, noch immer kämpft sie mit „ihren Monstern“ aus der Vergangenheit. Und es lässt alle immer wieder sprachlos zurück, wie prägend diese ersten 18 Lebensmonate waren.
Zum jetzigen Zeitpunkt hat X im dänischen Schulsystem die Qualifikation zur Ausbildung zur pädagogischen Assistentin erreicht. Sie hat mehrere Monate als Praktikantin in Kindergärten gearbeitet und möchte dies bis zum Start der Ausbildung im Februar 2026 fortsetzen.
Es kann und darf nicht sein, dass all die Jahre ihres Kämpfens und kräftezehrender Auseinandersetzungen umsonst gewesen sind, weil Jugendämter sich aus der Verantwortung für diese Kinder nehmen.
Helft mit, X eine Berufsausbildung zu ermöglichen, ihren jetzigen sichereren Lebensort zu erhalten und unsere Arbeit mit ihr zu unterstützen.
